1813 - 2013
200 Jahre Hotel Nassauer Hof
200 Jahre Kultur der Gastlichkeit
Wir freuen uns, in diesem Jahr das 200-jährige Jubiläum unseres Hauses zu feiern.
Auf dieser Seite werden wir Aktivitäten dieses Jahres sowie mit einigen historischen Hintergrundinformationen
für Sie veröffentlichen.
Viel Vergnügen beim Stöbern!
Hotellegende auf Erfolgskurs
Seit annähernd zwei Jahrhunderten signalisiert der Slogan „Ankommen und Wohlfühlen!“
zugleich ein Programm und ein Versprechen: Wer den Nassauer Hof zu seinem Domizil auf
Zeit macht, darf sich auf beides verlassen!
Vor allem aber darf er sich auf das besondere Flair eines internationalen Luxushotels
freuen. Dabei wird kaum jemand in der Lage sein, den diffusen Begriff „Flair“ mit einer
allgemein akzeptierten Definition zu unterlegen. Flair – das ist und bleibt eine sehr
persönliche Kategorie: Man spürt das Flair, man genießt es, man lobt es, man macht es zum
Maßstab seiner persönlichen Wertschätzung für ein Hotel, aber man weiß nicht so recht in
Worte zu fassen, was das Wort eigentlich bezeichnet.
Flair ist das Unsichtbare und Unbeschreibliche, das einfach da ist und der Seele des Gastes
schmeichelt. Flair ist das, was einem Hotel seine unnachahmliche Note vermittelt und sich
dennoch jeder konkreten Beschreibung entzieht!
Sobald der Besucher den Nassauer Hof betreten hat, umfängt ihn in der Lobby ein
angenehmes Gefühl der Geborgenheit, wie es nur wenige Grandhotels des Kontinents
vermitteln können. Wenn er die schweren, in Messing gefaßten Glastüren des Eingangsportals
passiert hat, dann umfängt ihn jene wohlige Wärme, die ihm die Behaglichkeit des
Zuhauseseins vermittelt. Die sanfte Tönung der wurzelholzgetäfelten Wände lässt keinen auch
nur geringen Anflug des Fremdseins zu. So wird denn das Versprechen „Ankommen und
Wohlfühlen“ auf höchst ansprechende Weise mit sympathischem Understatement eingelöst.
Es gibt Grandhotels, die versuchen den Gast durch ein pompöses Portal und eine
überladene Pracht ihrer Halle für sich einzunehmen. Der Nassauer Hof kann getrost auf
solche aufdringliche Art der Selbstdarstellung verzichten. Er überzeugt durch seine dezente
Eleganz und seine unprätentiöse Schlichtheit, die nichts vorzutäuschen versucht und gerade
deshalb so überzeugend wirkt und alles verheißt!
Die beiden edlen, matt glänzenden Türgriffe am Eingangsportal scheinen etwas
symbolisieren zu wollen: Der von zwei Löwen gehaltene Wappenschild, in dem das
verschnörkelte „N“ dem nur flüchtig hinschauenden eiligen Gast die Vermutung nahe legen
könnte, irgendwie wolle sich das Haus auf Napoleon berufen, ist nichts weiter als ein
einprägsames, liebevoll gestaltetes Markenzeichen. Es vermittelt einen Hauch des Elitären,
ohne es tatsächlich zu meinen oder sein zu wollen.
Auch die livrierten, zylinderbehüteten Herren, die dem Gast bei seiner Ankunft bereitwillig
und stets freundlich lächelnd die Türen öffnen und ihn in die Lobby hineingeleiten,
verkörpern durchaus etwas Elitäres. Aber auch sie sind letztlich eher ein zur Staffage
gewordenes Relikt aus den Zeiten der klassischen Grandhotels; eine Reminiszenz also an die
häufig zitierten „guten alten Zeiten“. Immerhin – und das spricht dafür, sie als
identitätstiftende Institution zu erhalten – verkörpern sie so etwas wie ein Begrüßungsritual,
das dem Gast jenes Wohlgefühl vermittelt, mit dem für ihn sich seit zwei Jahrhunderten das
Ankommen im Nasserer Hof verbindet. Sie sind gewissermaßen die Brücke von der Außenwelt
zum Innenleben des Hotels.
Ein Forum des Sehens und Gesehenwerdens hat ein Literat des vergangenen Jahrhunderts
einmal die Hotellobby genannt und sie damit zu einem Jahrmarkt der Eitelkeiten
hochstilisiert. Der Empfangsbereich des Nassauer Hofs setzt sich diesem Verdacht nicht aus.
Wie er selbst sich in sympathischer Bescheidenheit präsentiert, so verweigert er sich auch als
Rahmen für die Eitelkeit seiner Gäste. Seine durch die geschickte architektonische
Raumaufteilung bewirkte Gliederung schafft stattdessen ein hohes Maß an Intimität als
unabdingbare Voraussetzung für „Gemütlichkeit“.
Der wohltuende Schritt in diese unaufdringliche Bescheidenheit der klaren Linien mit
zeitgemäßer innenarchitektonischer Gestaltung ist nicht allein ein Reflex auf die
Veränderungen des Publikumsgeschmacks und des „main streams“. Er ist vor allem auch eine
Folge kriegerischer Ereignisse und – wo die nicht schon ganze Arbeit geleistet haben – ein
sichtbares Wirken dessen, was man so bildhaft den „Zahn der Zeit“ nennt.
An der Wende zum 20. Jahrhundert war eine von gründerzeitlichem Pomp geprägte
Haupteingangshalle natürlich auch für den Nassauer Hof so etwas wie eine unverwechselbare
Visitenkarte seines Anspruchs als Grandhotel: Eine schwere, von Marmorsäulen mit dorischen
Kapitellen getragene stucküberladene Kassettendecke von gravitätischer Schwere hing fast
ein wenig bedrohlich über den dort in kleinen Gruppen parlierenden Herren. Die Männer
hatten selbstverständlich ihre über ernsten Gesichtern auf den Köpfen wie festgenagelt
sitzenden Zylinderhüte nicht abgelegt. Warum auch? Der Zylinder galt ja als besonderes
Accessoire ihrer wilhelminischen Würde.
Von der Decke herab belebte die Szene der dezente Schein eines ausladenden Leuchters,
der schon den ersten Schritt in das kurze Zeitalter des Jugendstils vollzogen hatte. Auch die
Portierloge mit dem an der Wand hängenden „Fernsprechapparat“ – damals in vielen Hotels
noch als das Non plus ultra des technischen Fortschritts gefeiert – kennzeichnet schon den
ersten mutigen Schritt in die Zukunft.
Diese Zukunft ist längst in der Gegenwart angekommen, und diese wiederum hat in der
Lobby des Nassauer Hofs eine unserer Zeit entsprechende Formensprache gefunden: Modern
und doch nicht kühl abweisend, geradlinig und doch von jener unaufdringlichen Gefälligkeit,
die ein Gefühl des Geborgenseins vermittelt.
Die durch die Bauweise des Hauses ermöglichte architektonische Gestaltungsvielfalt hat
eine Lobby entstehen lassen, die keine Hotelhalle im herkömmlichen Sinn ist, sondern ein
charmant verschachteltes Ensemble von einander harmonisch zugeordneten Räumen, die von
der Rezeption aus nach allen Seiten hin überraschende Perspektiven eröffnen: Zur
einladenden Hotelbar hin, deren großzügige Anlage der gebotenen Intimität keinen Abbruch
tut, zur Orangerie hin, deren verspielte Leichtigkeit sich durch die Glastüren hindurch viel
versprechend ankündigt, zum Gourmet-Tempel „Ente“ hin, der seit 34 Jahren mit
unverminderter Anziehungskraft genussfreudige und genussfähige Gäste anlockt, zu dem zur
Orangerie führenden kleinen Café hin, in dem sich der Fünf-Uhr-Tee oder ein Aperitif vor
dem Abendessen stilvoll genießen lassen, und nicht zuletzt nach einem mit seinen „very
british“ anmutenden Sofas und Fauteuils ausgestatteten Aufenthaltsraum mit den
Erinnerungsstücken aus der Geschichte des Nassauer Hofs: Es sind diese Accessoires des
historischen Erinnerns – überwiegend in einer Vitrine liebevoll präsentierte Fotos mit
Prominenten Gästen, die dem Nassauer Hof in jüngerer Zeit die Ehre gegeben haben – die den
hohen Anspruch des Hauses verdeutlichen und unterstreichen.
Vielleicht ist dies der geeignete Ort, sich zu Teestunde einen „Assam“ oder einen
belebenden „English Breakfast Tea“ servieren zu lassen, den zu genießen es eigentlich keine
feste Stunde gibt. Ein „Frühstückstee“ lädt auch am Nachmittag dazu ein, seinen Gedanken
freien Lauf zu lassen und ihnen ein produktives Abschweifen zuzugestehen.
Zu den vielfältigen und auch für sich selbst manchmal überraschenden Assoziationen, die sich
dem Besucher in diesem unvergleichlichen Ambiente aufdrängen – obwohl sie nur in der
Begrifflichkeit, nicht aber in der Sache zusammenhängen – gehört die nahe liegende Frage, ob
denn ein „Nassauer“ im Nassauer Hof eine Chance hätte, seinen sprichwörtlichen Ruf
auszuleben. Das Wort bezeichnet ja gemeinhin einen Zeitgenossen, der sich im Wirtshaus auf
Kosten eines anderen gütlich tut.
Auf der Spurensuche nach der Herkunft der sprichwörtlichen Redensart rund um das
„Nassauern“ stößt man auf allerlei Erklärungsversuche, die alle auf etymologisch höchst
wackeligen Beinen stehen, von denen aber zumindest zwei den Charme haben, einen engen
Bezug zu einem weit verzweigten, bis ins zehnte Jahrhundert zurückreichenden deutschen
Adelsgeschlecht: Am lebendigsten ist es wohl noch in der preußischen Provinz Hessen-
Nassau in Erinnerung, die mit ihren Farben Rot-Weiß-Blau, der Flagge der Niederlande, einen
deutlichen Hinweis darauf geben, dass das Herzogtum Nassau als das Stammland des
niederländischen Könighauses gilt.
Der kuriose Zusammenhang mit dem Freitisch-Schnorrer liegt im akademischen Bereich:
Für die in Göttingen studierenden Nassauer bestanden zwölf Staatsstipendien. Erschien einer
der Inhaber nicht am Freitisch, dann „nassauerte“ für ihn ein nicht Berechtigter und nahm die
Vergünstigung in Anspruch.
Nach einer anderen Erklärungsvariante, die in Wiesbaden aufgezeichnet worden sein soll,
gewährte der Landgraf von Hessen alles Studenten Gastfreiheit. Es genügte, sich am Portal
des Schlosses mit der Herkunftsbezeichnung „Nassauer“ auszuweisen, um eingelassen zu
werden. Das Recht soll oft missbraucht worden sein, und so hat sich das geflügelte Wort
„nassauern“ über viele Generationen hinweg erhalten.
Wie gesagt: Die Erklärung entbehrt vermutlich jeder seriösen Grundlage, aber unterhaltsam
liest sie sich allemal!
Fangen wir die abschweifenden Gedanken wieder ein und zwingen sie in die Realität!
Was zeichnet den Nassauer Hof aus, das andere Grandhotels der Welt nicht haben? Und
was besagt der Zusammenschluss zehn herausragender Leading-Hotels zur exklusiven Gruppe
der Selektion Deutscher Luxushotels? Unabhängig von allen subjektiven
Bewertungskriterien, die zufriedene Gäste immer wieder ein Loblied auf das Haus singen
lassen, sind es die objektiven Beurteilungen internationaler Fachgremien, deren Stimmen
Gewicht haben. Im Jahr 2005 nahmen sie den Nassauer Hof als erstes Hotel Deutschlands in
die Klasse „5 Sterne Superior“ der deutschen Hotelklassifizierung auf. Sie haben dem Haus
damit eine glänzende Adelskrone der internationalen Hotellerie aufgesetzt.
Eine würdigere Auszeichnung kann sich das Haus am Kaiser-Friedrich-Platz nicht
wünschen.
Die Hotellegende hat Rückenwind für ihren Erfolgskurs in die Zukunft bekommen!





